23. Juni 2018

Tempo, Tempo – 40 ist das neue 50

Nein, dass ist nicht schon wieder eine Glosse zu dem Thema „40 ist das neue 50.“ Na ja, so ganz stimmt das nicht. Aber ich schreibe heute nicht über junggebliebene Fünfziger, sondern über Geschwindigkeit. Im Auto. Oder dass, für was manche Leute dafür halten.

 

Tempo (?) 40

Kennen Sie das auch? Sie schleichen hinter einem PKW her, der in einer 50-Zone die Geschwindigkeit von Tempo (?) 40 nicht überschreitet. Manche Zeitgenossen verweilen sogar ungerührt in den Dreißigern und auch damit sind nicht Jahre gemeint. Und man hat nicht die geringste Möglichkeit, diese Schnecken zu überholen. Dafür ist der Verkehr innerstädtisch einfach zu hoch.

Was bleibt ist Zähneknirschen und Frustration. Insbesondere, wenn diese Schildkröten auf vier Rädern sich kurz vor der Ampel darauf besinnen, dass sie ja ein Gaspedal haben. Dieses wird dann unbarmherzig getreten und der Schleicher hüpft förmlich noch bei Gelb drüber. Und das mit Warp-Antrieb, der ihn mindestens auf Tempo 42 bringt! (Die Trekkies unter uns mögen mir verzeihen.)

Schnarchmodus

Und unsereiner? Steht. Flucht. Steht. Steht. Fährt los. Um dann 300 Meter weiter wieder hinter diesem sogenannten Fahrer zu landen, der nach der erfolgreichen Ampelaktion wieder in seinen Schnarchmodus zurückgefallen ist. Haaarrrr! Doch die Hoffnung stirbt zuletzt, vielleicht biegt er ja an der nächsten Kreuzung ab?

Nein, Fehlanzeige. Er bleibt stur weiterhin auf Spur, das bedeutet, auf meiner. Wir kommen in eine 30-Zone, ich runter vom Gas. Denn die Blitzer sind immer und überall. Doch was macht der Schleicher? Fährt seinen Stiefel weiter runter und nun fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Er kann nicht anders! Er ist darauf gepolt.

Hilde und Karl-Heinz

Er heißt Karl-Heinz und seine Frau Hilde. Selbst wenn Hilde nicht im Auto ist, hört er die Stimme, die ihm sagt: „Karl-Heinz, nun fahr doch nicht so schnell!“ Da Karl-Heinz diese Anweisung komplett verinnerlicht hat, hat er auch ein inneres Tempo entwickelt. Und das liegt bei? 40, richtig!

Nun möchte mich ich an dieser Stelle bei allen Karl-Heinzes und Hildes, die nicht so verfahren, geschweige denn fahren, entschuldigen. Ihr seid nicht gemeint und die Namen nur Beispiele. Eigentlich will ich nur eine Lanze brechen. Für Fahrer, die das Tempo 40 als ihren persönlichen Geschwindigkeits-Gott anbeten. Wir haben Religionsfreiheit in diesem Land, so what?

Ich werde versuchen, mich beim nächsten Schleicher zu beherrschen und stumm drei Ave Maria beten. Falls ich das überhaupt hin bekomme. Oder Dancing Queen von Abba singen, da kenne ich wenigstens den Text. Und komme dann gut gelaunt nach Hause, trotz der menschlichen Schneckendichte auf unseren Straßen. Gute Fahrt!