12. Dezember 2017

Aktionstag gegen Kindesmissbrauch am 13. Mai

Markus Elstner
Markus Elstner ist einer der Organisatoren des Aktionstags gegen Missbrauch und Verjährungsfristen am 13. Mai auf dem Berliner Platz in Bottrop.

Kindesmissbrauch – ein Verbrechen, das schon allein nach moralischen Maßstäben nicht verjähren dürfte. Tatsächlich aber sind die Täter nach dreißig Jahren nicht mehr zu belangen. Am 13. Mai findet auf dem Berliner Platz unter dem Motto „Das Gesetz hat keine Augen – es braucht ein Herz und viele Hände“ von 11 bis 19 Uhr eine Aktion gegen Missbrauch und Verjährungsfristen statt.

Der Bottroper Markus Elstner, Gründer der Selbsthilfegruppe „Wegweiser“ (für Menschen, die als Kinder missbraucht wurden) und der Verein „Sieben Freunde“ wollen an diesem Tag zu diesem Thema aufklären und informieren. Ein Rahmenprogramm mit Live-Musik, unter anderem mit Thorsten Siltmann und Edy Edwards, begleitet die Aktion. Auch die bekannte und engagierte Tierschützerin Adrienne Kneis wird an diesem Tag erwartet.

Verjährungsfrist

Markus Elstner ist selbst Missbrauch-Opfer, fand erst nach 33 Jahren den Mut, über seine Leidensgeschichte zu sprechen. Als er die Kraft aufbrachte seinen Peiniger anzuzeigen, musste er von der Staatsanwaltschaft  erfahren, dass die Frist bereits abgelaufen war. Das war im Jahr 2010, als Kindesmissbrauch noch nach zehn Jahren verjährte. Der Täter, der damalige Bottroper Kaplan Peter H., wurde für dieses Verbrechen im Übrigen niemals juristisch belangt.

Die Zeit heilt nicht alle Wunden

„Zeit“, so der 51-jährige Elstner, „Zeit darf bei einem solchem Vergehen keine Rolle spielen.“ Denn die Zeit heilt bei Kindesmissbrauch nicht alle Wunden. Noch heute kann der Bottroper keinen Weihrauch riechen. „Es ist ein Trigger, wie ein Brandzeichen. Sobald ich diesen Geruch in diese Nase bekomme, ist alles wieder da.“

Die Missbrauchserfahrung hat sein Leben geprägt, Markus Elstner hat nie eine Ausbildung abgeschlossen, flüchtete sich in Alkohol und Drogen. „Ich wurde sozusagen mit Messwein auf den Geschmack gebracht, danach folgten die härteren Sachen“, das bittere Lächeln auf seinem Gesicht sagt mehr als Worte.

Kampf gegen den Missbrauch

Doch die Worte, die er nach über 30 Jahren endlich fand, diese Worte brachten ihn dazu, zu kämpfen. „Der Kampf gegen Kindesmissbrauch ist mein Lebensinhalt geworden“, erklärt er. In einer Therapie kam 2010 der Durchbruch, Elstner schaffte es, sich seinen entsetzlichen Erinnerungen zu stellen. Drei Jahre später gründete er dann mit Hilfe des Paritätischen Wohfahrtsverbandes die Selbsthilfegruppe (SHG) „Wegweiser“.

Denn oft war er nach dem Ablauf seiner Therapie auf sich allein gestellt. Sogar an Bottrops Oberbürgermeister Bernd Tischler wandte er sich und stieß dort auf offene Ohren. „Ich habe von Seiten der Stadt, wenn es um Anträge für Aktionen oder ähnliches ging, sehr viel Unterstützung erfahren“, bedankt er sich.

Selbsthilfegruppe „Wegweiser“

In seiner SHG für Erwachsene, die sich ein Mal im Monat trifft, sollen die Betroffenen frei reden können. „Ich bin allerdings kein Therapeut. Aber wer Hilfe sucht, der ist jederzeit willkommen. Es gibt neben Gesprächen auch Informationen und Tipps.“ Wer Interesse hat, kann sich bei Markus Elstner unter der Telefonnummer 0157/57069335 melden.

Und natürlich hat Jedermann die Möglichkeit, sich am 13. Mai beim Aktionstag auf dem Berliner Platz zu informieren und ein Zeichen gegen Gewalt und Missbrauch an Kindern zu setzen.  Denn Kindesmissbrauch darf kein Tabu mehr in unserer Gesellschaft sein.

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