17. Dezember 2018

Für Ballett ist es nie zu spät

„Nein, für das Ballett ist es nie zu spät.“ Und das sagt eine Primaballerina, die es wissen muss. Valentina Spadoni, 49 Jahre und Ballettlehrerin an der Musikschule Gladbeck, lacht. Die zierliche und quirlige kleine Person besteht allerdings auch nur aus Muskeln und Sehnen und hat den typischen Körper einer Tänzerin.

Das Prinzip Ballett

Könnte ich das Tanzen mit einer 53-jährigen Figur, untrainiert und mit einer Kondition, die diesen Namen wirklich nicht verdient, noch lernen? „Hobbymäßig ist das überhaupt gar kein Problem“, versichert mir Valentina. „Du wirst allerdings nicht als Primaballerina auftreten können.“ Nachdem ich der gebürtigen Tessinerin, die als Aktive auf den großen Bühnen dieser Welt tanzte, versichert habe, dass mir diese Absicht fern liegt, klärt mich Valentina über das Training auf.

Valentina Spadoni erklärt das Prinzip Ballett.
Valentina Spadoni erklärt das Prinzip Ballett.

„Ballett ist ein Prinzip. Eine klassische Weisheit lautet: Wir werden mit den Füßen geradeaus geboren, aber die Füße und Muskeln müssen nach außen. Und wir streben immer in die Höhe. Der Rücken ist gestreckt, der Hals lang und gerade. Dies hat auch einen schönen, psychologischen Effekt: Du betrachtest die Welt von oben nach unten.“

Gut für das Selbstbewusstsein

Keine schlechte Idee, auch mal herabzuschauen anstatt immer nur hoch. „Daher ist dieses Training auch so gut für das Selbstbewusstsein,“ versichert Valentina. „Und du brauchst keinerlei Voraussetzungen, du musst nur Lust haben und dich nicht genieren.“

Gutes Stichwort:  Sich vor eine Spiegelwand stellen und dann nicht genieren? „Niemand wird als Tänzerin geboren. Es erfordert ein hartes Training und eine große Disziplin, bis man so weit ist. Aber das Ganze als Hobby zu betreiben, soll in erster Linie Spaß machen.“

Denn man lernt seinen Körper und vor allen Dingen Muskelpartien kennen, von denen man gar nicht wusste, dass man sie hat. „Du weckst tatsächlich Muskeln, mit denen du vorher nie gearbeitet hast. Und natürlich wirst du Muskelkater haben, aber der vergeht auch wieder.“

Dein Körper ist dir plötzlich sehr nah

Sagte die Ballerina, die seit Kindesbeinen dieses Training macht. Aber gut, was noch? „Es ist nicht nur Leistungssport, sondern auch deine Seele und dein Kopf arbeiten mit.“ Tatsächlich ist der Ballett-Unterricht recht anspruchsvoll – die Haltung und die Koordination der Schritte müssen stimmen, die Füße gestreckt sein und die Choreografie nach und nach verinnerlicht werden.

„Und wenn es anfangs auch schwer fällt, man sieht die Fortschritte. Nach zwei, drei Stunden fühlst du dich schon ganz anders. Dein Körper ist dir plötzlich sehr nah und schafft es auch, die neuen Bewegungsabläufe zu speichern“, weiß Valentina. „Und eins weiß ich auch, wenn du mit 50 mit dem Ballett anfängst, dann hörst du mich 60 nicht auf.“

Auch mit fast 50 Jahren eine perfekte Pose.
Auch mit fast 50 Jahren eine perfekte Pose.

Everyone is beautiful at the ballet

Und wie es schon im berühmten Musical „A Chorus Line“ heißt: „Everyone is beautiful at the ballet“, also warum nicht einfach mal etwas Neues ausprobieren? Gerade in unserem Alter kann man noch viel für den Körper tun, ihn sogar neu entdecken und einen anderen Blick auf sich selbst bekommen.

Ballettkurse für Erwachsene werden in ganz Deutschland angeboten. Auch Valentina Spadoni würde in Zukunft gerne einen Workshop ins Leben rufen.
Um in eurer Region eine geeignete Schule oder einen Kurs zu finden, solltet ihr euch im Internet umschauen. Mittlerweile gibt es schon einige Vereine oder Schulen, die auch den Großen die Freuden des Balletts nahebringen.