12. Dezember 2017

Über Jahrhunderte ein Tabu – Frauen und Hosen

Frauen in Hosen. Das war noch vor 50 Jahren kaum denkbar. Ein kleiner Blick zurück in eine nicht allzu ferne Vergangenheit.
Frauen in Hosen. Das war noch vor 50 Jahren kaum denkbar. Ein kleiner Blick zurück in eine nicht allzu ferne Vergangenheit.

Seit den siebziger Jahre hat es fast unbemerkt einen  Wandel in der weiblichen Bekleidung gegeben. Denn wieviele  Frauen tragen noch Rock oder Kleid? Die meisten tragen Hosen und zwar unabhängig von Alter und Kleidergröße.

Frauen bevorzugen Hosen

Auch die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Allensbach von 2010 bevorzugen über die Hälfte der Frauen Hosen. Im Jahr 1982 war es nur ein knappes Drittel. Für die deutsche Textilindustrie ist sie ein wesentlicher Umsatzfaktor: Sie bringt 27 Prozent der Umsätze in der Damenoberbekleidung, 1990 waren es nur 13 Prozent.

Frauen tragen sie so gern, weil sie praktisch sind, bequem und (meistens) eine schöne Silhouette machen. Während Röcke leicht verrutschen, wenn man sich hinsetzt oder aus einem Auto steigt, passiert das mit Hosen nicht. Außerdem fällt eine Laufmasche in der Strumpfhose nicht weiter auf. Und das passiert selbst 2016 noch sehr schnell.

Inzwischen gibt es  Hosen für alle Gelegenheiten. Für den Alltag, im Beruf, für den Sport, ja sogar für Theaterbesuche. Es gibt schicke Hosenanzüge wie sie Bundeskanzlerin Angela Merkel trägz. Und natürlich Jeans in allen möglichen Farben.

Zudem wurden die Schnitte in den letzten Jahrzehnten an die verschiedenen Frauenfiguren angepasst. Deutsche Damenhosen werden sogar erfolgreich nach Österreich, Frankreich, in die Niederlande und in die Schweiz exportiert – weil sie eine besonders gute Passform haben.

Ein Tabu für Frauen

Aber wie schon gesagt, das ist historisch gesehen eine verhältnismäßig neue Entwicklung. Das Tragen von Hosen bei Frauen war über Jahrhunderte ein Tabu. Um 1900 trugen die ersten mutigen Frauen Hosenröcke oder Pumphosen bei sportlichen Aktivitäten wie Radfahren, Reiten oder Skifahren. Im Ersten Weltkrieg waren Frauen dann gezwungen, Männerarbeiten zu übernehmen. Zu dieser Zeit wurde akzeptiert, dass sie dazu Hosen trugen. Das Gleiche passierte auch im Zweiten Weltkrieg. Nach 1945 aber war das Hosentragen bei Frauen wieder verpönt.

Das galt sogar für kleine Mädchen. 1956, als ich sechs Jahre alt war, trug das gleichaltrige Nachbarsmädchen eine großkarierte Hose zur Schule. Und ich kann mich gut erinnern, wie unmöglich meine Mutter das fand!

Hosenverbote

An meine allererste selbst gekaufte Hose erinnere ich mich auch: Sie war aus grünem Jersey und hatte, wie damals bei Damenhosen üblich, den Reißverschluß an der Seite. Das war 1970. Damit war ich ganz auf der Höhe der Zeit, denn ab Ende der 1960er Jahre setzten sich Hosen für Frauen ganz allmählich durch. Hosenanzüge wurden modern, aber selbst in dieser eleganten Form waren Hosen noch nicht überall geduldet.

In der Presse wurde immer wieder über Hosenverbote berichtet. 1966 durfte die Sängerin Esther Ofarim im Hosenanzug nicht an die Bar des Hamburger Atlantic-Hotels. 1969 passierte das Gleiche der Schauspielerin Senta Berger in einem Londoner Restaurant. 1970 drohte Bundestagsvizepräsident Richard Jäger (CSU) weibliche hosentragende Abgeordnete aus dem Plenarsaal zu verweisen. Gott sei Dank sind diese Zeiten vorrüber.

15 Hosen im Schnitt

Aber nach und nach wurden Hosen allgemein üblich, auch für die ältere Generation. Meine Mutter (Jahrgang 1924) kaufte sich ihre erste lange Hose 1988 . Und mein Vater (Jahrgang 1914) war damit ganz und gar nicht einverstanden. Ihm zuliebe trug sie noch eine Zeitlang Röcke. Aber auf den Fotos seit der Jahrtausendwende sieht man sie nur noch in Hosen – außer bei besonderen Anlässen wie ihrem 80. Geburtstag.

Im Schnitt soll übrigens heute jede Frau 15 Hosen im Kleiderschrank haben. Kommt zwar an Schuhe nicht heran, ist aber auch schon ordentlich.

 

 

 

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