12. Dezember 2017

Waschtag mit Waschbrett

Wäschewasche ist eine lästige Pflicht. Aber im Jahr 2016 tatsächlich mehr als komfortabel und einfach. Bis in die fünfziger Jahre  war Waschen nämlich die anstrengendste und zeitaufwendigste Arbeit für die deutsche Hausfrau. Denn 1960 hatten erst neun Prozent der westdeutschen Haushalte eine automatische Waschmaschine, inzwischen sind rund 96 Prozent.

Zwei Tage für die große Wäsche

Man kann es sich kaum vorstellen, aber ganze zwei Tag dauerte die große Wäsche. Daher wurde das Spektakel auch nur einmal im Monat veranstaltet. Und von daher ist es wohl auch kein Wunder, dass die Wäsche damals viel seltener als heute gewechselt wurde.

Los gingen der Waschtag damals mit dem Einweichen. Die Wäschestücke wurden in großen Zubern in einer Lauge mit Bleichsoda gegeben, entweder mit Sil oder mit Henko. Während des zweiten Weltkriegs benutze man mangels Bleichsoda sogar Aschenlauge. Wie schon die alten Germanen: Dafür wurde Asche aufgekocht und durchgeseiht. Man musste sich damals zu helfen wissen.

Waschtag mit Kupferkessel

Am nächsten Morgen endete die Nacht um fünf Uhr. Dann stand die Hausfrau auf und heizte den großen Waschkessel an, in dem weiße Textilien aus Baumwolle und Leinen gekocht wurden. Ein solcher Kessel war lange ein selbstverständlicher Bestandteil einer Waschküche. Dass weiß ich sogar aus eigener Erfahrung. 1956 zog meine Familie in ein neu erbautes Mietshaus; in der Waschküche stand ein ummauerter Kupferkessel. Dieser wurde durch eine Ofenklappe von unten mit Holz und Kohle geheizt. Meine Mutter und die meisten Nachbarinnen nutzten ihn bis in die späten 1960er Jahre.

Waschbrett –  aber nicht am Bauch

Wenn Einweichen und Kochen zur Reinigung nicht gereicht hatten, wurden die Wäschestücke auf einem geriffelten Waschbrett gerieben. Und das hatte dann auch mit Muskeln zu tun, aber weniger mit denen am Bauch. Obendrein rieben sich Ungeübte rieben dabei schon mal die Finger wund. Besonders schmutzige Stellen, auch Hemdkragen und Manschetten, wurden zusätzlich mit Schmierseife behandelt. Die gekochte Wäsche musste dann von Hand gründlich und mehrmals gespült werden, vor allem bei schwerer Bettwäsche war dies sehr anstrengend. In unserer Waschküche  gab es extra dafür zwei tiefe gemauerte Spülbecken.

Mittags gab es Eintopf

Zum Mittagessen bekam die Familie am Waschtag immer nur etwas Einfaches, zum Beispiel einen Eintopf. Für Anderes blieb der Hausfrau keine Zeit. Bevor die vollautomatischen Waschmaschinen die Regel waren, hatten manche Haushalte in den 1950er Jahren eine Flügelwaschmaschine mit Elektromotor. Die bewegte die Wäsche im heißen Wasser hin und her. Aber die Maschine arbeitete nicht selbstständig. Die Hausfrau musste alle Waschvorgänge einzeln einleiten. Einweichen, Spülen und Auswringen blieben unumgänglich.

Hüpfende Schleuder

Häufiger waren Wäscheschleudern, die der Hausfrau das Wringen der Wäsch ersparten. Man musste allerdings die Wäsche „im Kreis“ einlegen, weil die Schleuder sich sonst gern selbstständig machte und zu hüpfen begann. Und heute? Wenn ich waschen will, sage ich zu meinem Mann: „Ich mach mal eben eine Maschine.“

Das sage ich mehrmals in der Woche, denn natürlich haben wir eine vollautomatische Waschmaschine. Und die wäscht praktisch alles: Pullover, Hemden, Unterwäsche, Tisch- und Bettwäsche. Man muss nur die Wäsche sortieren und das passende Waschprogramm wählen. Nach ein bis zwei Stunden kann man die saubere Wäsche gespült und geschleudert aus der Maschine nehmen. Es lebe der Fortschritt, auch am Waschtag!

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