16. November 2018

Hypnosetherapie – Hilfe oder Humbug?

In den USA und in Großbritannien ist die Hypnosetherapie bereits seit den fünfziger Jahren ein anerkanntes psychotherapeutisches Verfahren. In Deutschland wurde der Hypnosetherapie erst im Jahr 2006 dieser Status zuerkannt. Vielleicht liegt es daran, dass viele diese Therapieform als Humbug abtun.  Und sich auf dabei auf die Hypnoseshows im TV oder auf diverse Veranstaltungen berufen. Dabei hat dieses – für Deutschland eben noch recht junge – Verfahren mit den Klischees der sogenannten Showhypnose nichts zu tun.

Hypnosetherapie als Hilfsmittel

Es gibt unerwünschte Verhaltensmuster, die begleiten uns bereits ein ganzes Leben.  Auch unsere Generation ist nicht frei davon. Diese Muster beruhen oft auf unverarbeiteten Gefühlen, die sogar noch aus der Kindheit stammen. Unser Gehirn hat diese Emotionen abgespeichert. Und somit können sie auch noch Einfluss auf uns haben, selbst wenn wir erwachsen sind.

„Das Hauptproblem stellt die kognitive Hemmung dar, die Hemmung emotionaler Gedächtnisinhalte durch unseren Verstand im Wachzustand. Die Betroffenen reden häufig über die belastenden Gefühle und Ereignisse ihrer Vergangenheit, aber zu einer Auflösung kommt es dabei nicht. Ein klassischer –und ebenso falscher – Satz, den man aus den gewöhnlichen Wachtherapie-Verfahren kennt, ist: „Sie müssen lernen, mit diesem Gefühl zu leben.“ Ziel der Betroffenen ist es aber, die belastenden Emotionen loszuwerden und nicht mehr mit ihnen leben zu müssen“, so der Hamburger Hypnosetherapeut Floris Weber in seinem Artikel aus der Zeitschrift „Sein“, Ausgabe September 2015.

Völlige Entspannung

Wie aber kann man diese kognitive Blockade auflösen, die aus diesen unverarbeiteten Emotionen entstanden sind? Die Hypnosetherapie bietet dafür einige Ansätze. Zunächst klärt der Therapeut zusammen mit dem Patienten, welche grundsätzlichen Verhaltensmuster störend sind oder negativ empfunden werden. Sei es beispielsweise das Reden vor einer Gruppe oder die Angst vor einer Prüfung.

Danach wird der Patient vom Therapeuten behutsam in den Trancezustand geführt. Diese Trance ist nicht mit Schlaf vergleichbar, denn im Schlaf ist der Mensch bewusstlos.

In der Trance hingegen nimmt der Patient alles um sich herum wahr, kann klar denken. Er befindet sich, da der Körper völlig entspannt ist, in einem angenehmen Zustand. So, als würde er gleich schlafen oder  aufwachen. Auch ein Kontrollverlust ist nicht zu befürchten, da der Patient jederzeit selbst die Hypnose abbrechen kann.

Ansprache an das Unterbewusstsein

In der Trance wird unser Unterbewusstsein angesprochen und ist offen für Veränderungen. Das bedeutet, dass unser Hirn die negativen Gefühle, die es damals gespeichert hat, auch wieder löschen kann.
Der Therapeut führt den Patienten behutsam zu einer Situation, in der diese Emotionen auftauchten. Es steigen unter Umständen Erinnerungen auf, die der Mensch längst vergessen glaubte. Da der Patient diese Situation noch einmal durchlebt, hat heilbare Wirkung. Denn nun kann er diese Gefühle endlich verarbeiten. Daher kann es auch während der Trance zu Gefühlsäußerungen wie Weinen kommen.

Wirksamkeit

Die Wirksamkeit einer solchen Therapie zeigten rund 200 Studien auf, nachzulesen auf der Homepage der Milton -Erickson-Gesellschaft für klinische Hypnose an der Uni Tübingen.

Die therapeutische Hypnose kann auf vielen Gebieten zum Einsatz kommen. Sei es in einer Schmerztherapie, bei der Rauchentwöhnung, bei Stress oder Depressionen. Wen das Thema interessiert, hier noch einige Links dazu:

In einem weiteren Artikel befassen wir uns mit der Möglichkeit zur Selbsthypnose. Dazu haben wir den Physiotherapeuten und Hypnose Coach Lars Helmer  aus Gladbeck befragt.